20. September 2026

TBV verliert in der Schlussphase den Faden und die Punkte

Der TBV Lemgo Lippe hat sein Heimspiel gegen den HC Erlangen am Sonntagnachmittag mit 28:33 (15:18) verloren. Am 5. Spieltag der Opel Handball-Bundesliga entwickelte sich in der Phoenix Contact-Arena von Beginn an die erwartete intensive und umkämpfte Partie. Vor 4.208 Zuschauern drehten die Lipper einen Drei-Tore-Rückstand zur Pause zunächst, verloren in der Schlussphase jedoch den Zugriff und mussten sich letztlich deutlich geschlagen geben.

Erstmals in dieser Saison musste der TBV dabei den Ausfall von Kapitän Tim Suton kompensieren. Der Rückraumspieler konnte ebenso wie Bobby Schagen und Jan Mudrow verletzt nicht ins Spielgeschehen eingreifen. Sein Debüt im blau-weißen Trikot feierte dagegen Neuzugang Lenny Rubin, zudem rückte Len Kehrmann in den Kader des lippischen Handball-Bundesligisten.

Die Lemgoer fanden gut in die Begegnung. Vor allem Lukas Hutecek war von Beginn an auf Betriebstemperatur und versuchte, seine Mannschaft mitzureißen. Mit zwei Treffern und zwei Assists war der Österreicher nach zwölf Minuten maßgeblich an der knappen 7:6-Führung beteiligt. Auch das Lemgoer Publikum zeigte ein feines Gespür für die Situation und peitschte den TBV noch lauter an als ohnehin schon. In einer temporeichen Anfangsphase leisteten sich beide Offensivreihen zunächst kaum Fehler im Abschluss. Während Domenico Ebner nach 18 Minuten immerhin drei Paraden auf seinem Konto hatte, warteten die Gäste noch auf ihre erste vereitelte Lemgoer Torchance. Der TBV führte zu diesem Zeitpunkt mit 10:9.

In der Folge kam es jedoch zu einem Bruch im Spiel der Lipper. Einen technischen Fehler von Niels Versteijnen bestrafte Erlangen prompt und ging durch Christoph Steinert mit 14:12 in Führung (25.). Auch die Einwechslungen von Constantin Möstl und Lenny Rubin brachten zunächst nicht die erhoffte Wende. Zu viele Fehler luden die Gäste nun dazu ein, ihren Vorsprung auszubauen. Beim 13:17 in der 27. Minute drohte der TBV bereits den Anschluss zu verlieren. Joel Willecke verkürzte kurz vor der Pause noch einmal, sodass die Lemgoer mit einem 15:18-Rückstand in die Kabine gingen.

Mit Wiederbeginn überrollte der TBV die Gäste dann nahezu. Drei Treffer in Serie von Levin Wanner sowie ein starker Möstl im Tor brachten das Heimteam bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff zurück zum 18:18-Ausgleich (33.). Getragen von den Fans kämpften die Lipper um jeden Ball und mussten sich in der Folge jeden Treffer hart erarbeiten. Lenny Rubin hatte in der 45. Minute zunächst Pech, als sein Wurf an der Latte landete. Wenige Sekunden später setzte sich der Schweizer jedoch im Durchbruch durch und erzielte das 22:22 (46.). Als Samuel Zehnder zehn Minuten vor dem Ende erneut vom Siebenmeterpunkt erfolgreich war, stand die Phoenix Contact-Arena beim 24:23 (50.) Kopf.

Doch der HC Erlangen kühlte die Stimmung im Lemgoer Hexenkessel blitzschnell ab und antwortete mit einem Doppelschlag zum 24:25 (51.). Anschließend glitt dem TBV die Partie zunehmend aus den Händen. Wie schon in den Schlussminuten der ersten Halbzeit luden technische Fehler die Gäste zu einfachen Toren ein. Kreisläufer Florian Scheerer sorgte mit seinem Treffer zum 24:28 für die Gäste in der 55. Minute für die Vorentscheidung. Der TBV riskierte in der Schlussphase noch einmal alles, stellte auf eine offensive Deckung um, kam jedoch nicht mehr entscheidend heran. Bester Lemgoer Werfer bei der 28:33-Niederlage war Levin Wanner mit sechs Treffern.

Mit nun 4:6 Punkten rutscht der TBV Lemgo Lippe vorerst auf Rang 13 der Tabelle. Nach einer spielfreien Woche geht es für die Mannschaft von Florian Kehrmann am 1. Oktober weiter. Dann empfängt der TBV den HC Hamburg in der Phoenix Contact-Arena. Anwurf ist um 19 Uhr. Tickets für die Partie sind online sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Die Stimme zum Spiel von TBV-Trainer Florian Kehrmann: „Ich finde, wir haben zweimal – einmal eine Viertelstunde und einmal 20 Minuten – wirklich sehr gut gespielt. In der ersten Viertelstunde waren wir in der Phase mit zwei Toren vorne, machen dann aber noch ein, zwei Fehler, durch die wir das Spiel nicht weiter unter Kontrolle halten. Dann kommen wir in eine Phase, in der wir über drei, vier Angriffe die Bälle zu einfach wegwerfen und Erlangen dadurch Sicherheit geben. Plötzlich liegen wir mit vier Toren hinten und gehen so in die Halbzeit.

Dann kommen wir wieder mit unglaublicher Leidenschaft zurück, auch die Halle ist da. In der 50. Minute wird jedes Tor von beiden Mannschaften hart erkämpft. Beim Stand von 24:23 haben wir das Spiel zum ersten Mal wieder in unsere Richtung gedreht. Danach machen wir zwei, drei einfache Fehler und verwerfen drei freie Chancen. Das ist in der Summe zu viel. Defensiv bekommen wir dann auch keinen Zugriff mehr. Letztendlich ist das Ergebnis für den Spielverlauf sicherlich ein bisschen zu hoch ausgefallen. In der Bundesliga kannst du dir diese Schwächephasen, die wir ab der 20. und dann wieder ab der 50. Minute hatten, nicht leisten.

Das ist vielleicht aber auch ein Stück weit erklärbar: Die Mannschaft stand in dieser Woche schon ganz schön unter Schock. Wir müssen schauen, dass wir ein paar neue Ideen mit einbringen. Das braucht ein bisschen Zeit. Man sollte jetzt nicht auf die Mannschaft draufhauen, denn das sind alles gute Jungs. Sie haben heute wieder ihr Herz auf der Platte gelassen. Phasenweise haben wir auch gesehen, wozu wir in der Lage sind. Erlangen spielt bislang ebenfalls eine sehr solide Saison und hat sich die Punkte heute verdient.“

 

TBV Lemgo Lippe – HC Erlangen 28:33 (15:18)

TBV Lemgo Lippe: Möstl (7 P.), Ebner (3 P.); Hutecek 5, Theilinger 2, Zehnder 4/4, O´Sullivan, Wanner 6, Carstensen, Nyfjäll, Willecke 4, Versteijnen 3, Valkovskis, Wagner 2, L. Kehrmann, Rubin 1

HC Erlangen: Pierre (3 P.), Herceg (3 P.); Bandlow 6, Nissen 7, Y. Bialowas 5, Överjordet 4, Scheerer 1, S. Firnhaber, Bissel, Morante 3, Lochman, L. Bialowas, Buck, Steinert 6, V. Kristjansson, Gebala 1

 

Foto: Cohen.