Irre Achterbahnfahrt in Berlin: TBV zieht den Füchsen erneut den Stecker!
Der TBV Lemgo Lippe hat es schon wieder getan! Am Sonntagabend siegte der lippische Handball-Bundesligist in einem spannenden und hart umkämpften Spiel mit 37:36 (17:19) gegen die Füchse Berlin. 8.525 Fans in der Max-Schmeling-Halle erlebten eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle: Erst machten die Füchse, dann der TBV einen Vier-Tore-Rückstand wett, ehe die Lemgoer in der Schlussphase die besseren Nerven bewiesen.
Nachdem sich Bobby Schagen in Stuttgart bereits mit der Mannschaft aufgewärmt hatte, stand er gegen Berlin erstmals seit seiner Knieproblematik wieder im TBV-Kader. Zum Spielbeginn setzte TBV-Trainer Florian Kehrmann jedoch weiterhin auf Levin Wanner. Im Vergleich zur Vorwoche brachte er mit Domenico Ebner und Leve Carstensen jedoch zwei neue Spieler in die Anfangsformation.
Welthandballer Matthias Gidsel hatte unter der Woche mit 17 Toren aus 19 Versuchen in der Champions League einmal mehr auf sich aufmerksam gemacht. Gegen den TBV kam der Däne in einer furiosen Anfangsphase jedoch bereits nach vier Minuten auf zwei Fehlversuche und musste mit ansehen, wie die Lemgoer Handballer einen Start nach Maß erwischten. In einem temporeichen Spiel schaltete Christian O’Sullivan blitzschnell, bediente Leve Carstensen mustergültig per Kempa-Anspiel und leitete so die 4:2-Führung (4.) ein. Beide Teams drückten weiter enorm aufs Gaspedal. Doch auch in der Folge nutzte der TBV seine Chancen eiskalt und ging durch Kreisläufer Joel Willecke mit 7:3 (7.) in Führung.
In der Folge wollten die Lipper vielleicht ein wenig zu viel, agierten häufig zu hektisch und luden die Hausherren so zur Aufholjagd ein. Die ließen sich nicht zweimal bitten und gingen nach einem 4:0-Lauf durch Tim Freihöfer mit 8:9 (14.) in Führung. Die Lemgoer ließen sich jedoch nicht vollends abschütteln und kämpften sich in die Begegnung zurück – auch, weil Niels Versteijnen sich erneut in Torlaune präsentierte und mit schwierigen Abschlüssen über die Berliner Mauer hinweg auf 11:12 (19.) verkürzte. Da der TBV den Berliner Angriff jedoch zu selten stoppen konnte, entschloss sich Kehrmann nach 26 Minuten zu einem Torhüterwechsel. Möstl dankte es ihm direkt und fügte sich mit einer Monsterparade gegen Buddy Frederik Simak ins Spiel ein (27., 15:17). Auch die Umstellung auf das Sieben-gegen-Sechs-Spiel zeigte Wirkung, sodass der TBV mit einem knappen 17:19-Rückstand in die Pause ging.
Zum Start des zweiten Abschnitts drückten die Berliner erneut aufs Tempo und konnten sich durch den treffsicheren Tim Freihöfer bis zur 39. Minute auf 20:24 absetzen. Die Lemgoer Abwehr war in dieser Phase regelmäßig mit dem extrem hohen Tempo überfordert, das Gidsel und Co. vorlegten. Doch angeführt von Lukas Hutecek fanden die Lipper im Angriff immer wieder Lösungen und stabilisierten sich auch in der Defensive spürbar. O’Sullivan provozierte zunächst einen Fehler der Hausherren und traf anschließend selbst zum 25:25-Ausgleich (44.). Hutecek brachte den TBV wenig später sogar wieder in Führung (45., 26:25).
Längst hatten die Lemgoer Morgenluft gewittert und ließen sich auch nicht davon beeindrucken, dass Freihöfer die Berliner mit einem weiteren seiner am Ende 14 Tore in der 50. Minute mit 31:29 in Führung brachte. Wenig später blieb Möstl im Siebenmeterduell mit Freihöfer erstmals Sieger und ebnete damit den Weg zum Ausgleich durch Hutecek (51., 31:31).
In einer hochspannenden Schlussphase legte der TBV nun immer wieder vor und bekam in den Schlussminuten auch noch unverhoffte Hilfe vom Gegner: Zunächst handelte sich Füchse-Trainer Nicolej Krickau wegen Meckerns eine Zeitstrafe ein (55., 33:33), später folgte Mijajlo Marsenic (59., 36:35). Den zusätzlichen Platz nutzte Niels Versteijnen, der mit voller Entschlossenheit und seinem achten Treffer für die Vorentscheidung sorgte (60., 37:35). Die letzten Sekunden spielte der TBV routiniert herunter; der anschließende Jubel kannte keine Grenzen.
Durch den Sieg weist der TBV nun 10:6-Punkte auf und belegt in der Tabelle der Opel HBL vorerst den fünften Rang. Für den TBV Lemgo Lippe geht es in der nächsten Woche mit einem Heimspiel weiter. Am Sonntag, den 18.10., empfangen die Lemgoer FRISCH AUF! Göppingen in der Phoenix Contact-Arena. Anwurf der Begegnung erfolgt um 16:30 Uhr. Bis Sonntagabend wurden bereits über 4.200 Tickets für das Duell gegen die Schwaben verkauft. Stehplatztickets sind weiterhin an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online erhältlich.
Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Ich finde, wir sind gut ins Spiel gekommen. Mit einer sehr guten Abwehr haben wir direkt eine Vorlage herausgespielt, sie dann aber mit ein paar technischen Fehlern wieder ins Spiel zurückgeholt. In dieser Phase haben sie uns überrollt. Wir lagen immer zwei, drei Tore zurück, haben es aber wirklich geschafft, dranzubleiben, und sind gut in die Halbzeit gekommen.
Von da an war es ein enges Spiel. Trotzdem lagen wir zunächst zwei, drei Tore hinten. Dann haben wir ein sehr konzentriertes Sieben-gegen-Sechs gespielt, immer wieder Tore erzielt und konnten das Spiel in den letzten Situationen noch entscheiden. Auch in der heißen Atmosphäre haben wir bis zum Ende einen kühlen Kopf bewahrt.
Wenn man mit einem Tor gewinnt, ist das nicht immer verdient, vielleicht ist es dann auch glücklich. Das Spiel hätte so oder so ausgehen können. Wir sind so oder so extrem stolz und nehmen die Punkte natürlich gerne mit. Das war eine ganz tolle Mannschaftsleistung, Wahninn!“
Füchse Berlin – TBV Lemgo Lippe 36:37 (19:17)
Füchse Berlin: Ludwig (1 P.), Palicka (4 P.); Darj, Prantner, Simak, Ariño, Grøndahl, Lichtlein 5, Gidsel 10, Freihöfer 14/17, Pichiri, Langhoff 4, Zaepfel, West av Teigum 2, Marsenic 1
TBV Lemgo Lippe: Ebner (4 P.), Möstl (6 P.); Hutecek 6, Theilinger, Zehnder 2, O’Sullivan 1, Schagen, Wanner 6, Carstensen 3, Nyfjäll 2, Willecke 2, Versteijnen 8, Valkovskis, Wagner 4, Rubin 3
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Foto: Weibz Media.
