Gegen die Löwen ist wieder mehr Biss gefragt

Nach der unglücklichen Vorstellung gegen den HBW Balingen-Weilstetten bietet sich dem TBV Lemgo Lippe schon am Samstagabend die Chance, bei den Rhein-Neckar Löwen ein anderes Gesicht zu zeigen. Auch wenn die Lipper als klarer Außenseiter zum Tabellenführer nach Mannheim reisen, so erwartet TBV-Trainer Florian Kehrmann für seine Mannschaft eine interessante Aufgabe, „in der es für uns darauf ankommen wird, wieder an die eigenen Tugenden zu glauben.“

Weil das Spiel zwischen MT Melsungen und SC Magdeburg, das live in der ARD Sportschau gezeigt werden sollte, dem Coronavirus zum Opfer gefallen ist, ist dort nun das Lemgoer Gastspiel bei den Löwen zu sehen. Aus diesem Grund ist die Partie auf 18.05 Uhr vorverlegt worden. Sendebeginn der Sportschau ist um 18 Uhr, Sky überträgt ebenfalls live.

Für einen TBV-Akteur wird dieser Abend ein ganz besonderer. Seine halbe Profikarriere verbrachte Lemgos Abwehrspezialist Gedeón Guardiola im Mannheimer Löwenrudel, mit dem er in acht Jahren sieben Titel errang. Zum ersten Mal wird der 36-Jährige am Samstag also altvertrautes Revier betreten, in dem ohne Frage noch viele ehemalige Wegbegleiter und Freunde beheimatet seien, erzählt der zweifache Familienvater. „Ich bin unheimlich gespannt, denn ich spiele zum ersten Mal in meiner Karriere gegen einen Ex-Verein von mir.“ Es werde mit Sicherheit ein komisches Gefühl, sich in der Gästekabine umzuziehen und später mit einem anderen Trikot in der Halle aufzulaufen. Ab dann aber zähle für den Routinier nur der TBV. Für den gilt es, sich den rabenschwarzen Tag gegen Balingen möglichst rasch aus den Kleidern zu schütteln und sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Gedeón Guardiola: „Wir müssen auf jeden Fall wieder mehr Qualität in unsere Würfe kriegen, aggressiver und kompakter verteidigen und mehr Laufbereitschaft an den Tag legen."

Auch sein Trainer weiß natürlich um die hohe Qualität des Gegners: „Sie haben einen sehr guten Lauf, sind Tabellenführer und spielen diese Saison stabil.“ Durch den 33:31-Auswärtssieg beim SC Magdeburg unter der Woche, bei dem Löwen-Kreisläufer Jannik Kohlbacher nach überstandener Ellbogenverletzung sein Comeback gab, haben die Badener den THW Kiel zumindest vorübergehend mit nun 12:2 Punkten von Platz eins der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga verdrängt. Aber, so schränkt Florian Kehrmann ein, sei es in den bisherigen Auftritten nicht so gewesen, dass sie jeden Gegner bestimmt haben. „Sie hatten auch viele Spiele, in denen es knapp war.“ Bislang allerdings bissen sich die Löwen um Dompteur Martin Schwalb einzig im Heimspiel gegen Leipzig (23:28) Mitte Oktober die Zähne aus.

Um kein Déjà-vu des Spiels von Mittwoch zu haben, braucht der TBV eine deutliche Leistungssteigerung: eine viel aggressivere Abwehrarbeit, gepaart mit besserem Torhüterspiel, ein schnelleres Umschaltverhalten in den Gegenstößen sowie eine konsequentere Chancenauswertung – die Liste an Punkten, die es laut Florian Kehrmann besser zu machen gilt, ist lang.

Dass der TBV die Badener aber durchaus vor Probleme stellen kann, bewies er beim jüngsten Gastspiel im Februar dieses Jahres, als sich die Guardiola-Zwillinge zum letzten Mal als Gegner gegenüberstanden. Die Punkteteilung (29:29) erkämpften sich die Lipper durch eine couragierte Mannschaftsleistung, lagen zur Halbzeit gar mit vier Toren vorn. Einer, der mit neun Treffern maßgeblich seinen Anteil am Punktgewinn hatte, war Jonathan Carlsbogård. Der Schwede wird dem TBV bekanntlich jetzt jedoch wegen einer Fraktur in der Wurfhand noch mehrere Wochen fehlen.

Die Gesamtbilanz spricht deutlich für den Gastgeber aus Baden-Württemberg, der von 33 Aufeinandertreffen 21 für sich entscheiden konnte. Der letzte von insgesamt sieben TBV-Siegen liegt ein knappes Jahr zurück: Am 17. Spieltag der Saison 19/20 behielten die Kehrmann-Schützlinge mit einem 30:25-Heimsieg die Punkte in Lemgo. Fünfmal trennten sich beide Teams Remis. Schiedsrichter der Partie sind Julian Koppl und Denis Regner.

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