Erfüllte Träume sind Siege, die dein Leben schöner machen!

Nach der Verletzung von Fabian van Olphen musste der TBV Lemgo Lippe handeln und wurde bei der Suche nach einem Abwehrspezialisten ganz in der Nähe, nur ca. 45 Kilometer entfernt, fündig. Evars „Ebbe“ Klešniks, der über fast 300 Spiele Bundesligaerfahrung verfügt, kam vom Drittligisten LiT Tribe Germania. Der Verein verkündete den Wechsel auf seiner Facebook-Seite übrigens mit den Worten „Das nächste Talent ausgebildet!“. Zwar muss Klešniks in Lemgo auf seine Wunschnummer 44 verzichten, denn die trägt schon Alexander Reimann, aber auch mit der Nummer 80 fühlt er sich beim TBV sehr wohl, wie er im Interview erzählt hat.

Ebbe, hättest du im letzten Sommer gedacht, was in diesem Jahr alles passiert?

Klešniks: Nein, aber ein bisschen gehofft habe ich immer. Es war schon ein kleiner Traum, dass jemand Hilfe braucht und ich kurzfristig einspringen kann. Auch die Teilnahme an der Europameisterschaft mit Lettland war ein Grund, warum ich immer weiter trainiert habe. 

Wie oft hast du trainiert, seitdem du 2018 von Wetzlar zu LiT Tribe Germania gegangen bist?

Klešniks: Dreimal in der Woche mit dem Verein und außerdem habe ich immer zwei bis drei Lauf- oder Krafteinheiten pro Woche extra gemacht.

Bankdrücken gegen Andi Wolff? Würdest du da immer noch gewinnen?

Klešniks: Nein. (lacht) Gegen Andi würden nur noch wenige gewinnen.

Dann kam im Januar der Anruf aus Lemgo. Und dann?

Klešniks: Dann ging es ratzfatz. Natürlich war es bei meiner Entscheidung für mich auch schön, dass es von meinem Wohnort Minden nicht weit ist bis nach Lemgo. Wir sind damals, als ich nach Wetzlar ging, wegen unseres Sohns in Minden wohnen geblieben und haben entschieden, dass wir für ihn sein Leben in Minden aufbauen, als er zur Schule kam. In den fünf Jahren, als ich in Wetzlar gespielt habe, bin ich immer gefahren, da kamen im Jahr bestimmt 50.000 bis 60.000 Kilometer zusammen.

Wie waren die ersten Wochen hier beim TBV?

Klešniks: Kann man sich das noch besser wünschen? Wir sind ungeschlagen, zwei Spiele, zwei Siege.

Das soll auch so bleiben, auch am Sonntag!

Klešniks: Das wäre mein nächstes Ziel, ich setze mir immer kleine Ziele in der Saison.

Wie ist das für dich als Mindener, jetzt am Sonntag hier in Lemgo gegen GWD zu spielen?

Klešniks: Was heißt Mindener? Ich war fünf Jahre in Wetzlar, dann fast zwei Jahre bei LiT, in Minden wohne ich nur. Es ist gefühlt schon ewig her, dass ich bei GWD war. Mein Sohn spielt allerdings in Minden in der C-Jugend. Das ist das Einzige, was mich mit GWD verbindet.

Wie fühlst du dich beim TBV und in der Mannschaft?

Klešniks: Sehr gut! Ich verstehe mich mit allen gut, das sind gute Typen. Nach dem Sieg in Balingen haben wir auch alle ein bisschen im Bus gefeiert.

Wie hast du das Spiel in Balingen erlebt?

Klešniks: Für mich war eigentlich klar, dass wir die besseren Chancen hatten, da zu gewinnen, wenn du siehst, wer auf der einen und wer auf der anderen Seite steht. Da sind wir, glaube ich, besser, unsere Spieler haben mehr Potential. Es kommt in solchen Spielen aber immer auch ein bisschen Glück dazu, Schiris und so. Letztendlich waren wir besser und glücklich über den Sieg.

Wie gefällt es dir sonst in Lemgo? Die Atmosphäre bei den Heimspielen?

Klešniks: Das ist echt schön. Mein Sohn ist auch schwer begeistert.

Wenn dein Sohn spielt und du auf der Tribüne sitzt, bist du dann ruhig oder schreist du auch mal rein?

Klešniks: Solange es geht, bin ich ruhig, und versuche auch, ruhig zu bleiben. Er mag das nicht so, wenn ich eingreife, das ist auch für die Trainer nicht schön. Ich bin nur Vater, ich schaue zu. Vielleicht kann ich meinem Sohn nach dem Spiel oder in der Halbzeit etwas sagen oder einen Tipp geben. Er ist sehr groß und mir war wichtig, dass er Sport macht, um eine gute Haltung zu bekommen und um Freunde zu finden. Auch wenn er erst nicht so vom Handball überzeugt war, ist er jetzt dort im Tor sehr zufrieden.

Theuer hat über dich gesagt. „Das ist eine Frechheit, wie fit der ist.“

Klešniks: Ja, das habe ich direkt mitbekommen. Danke. (lacht) Ich habe das in dem Video gesehen und mich auch dafür bei ihm bedankt.

Max Ramota hat gesagt, dass er auch sehr beeindruckt von deinem ersten Spiel gegen Stuttgart war.

Klešniks: Ja, danke, das höre ich auch von vielen.

Wenn es irgendwann mal vorbei ist mit Handball, was dann?

Klešniks: Dann werde ich arbeiten. Ich habe schon Pläne und meine Familie und ich schauen ganz entspannt in die Zukunft.

Ist das jetzt wirklich deine letzte Saison?

Klešniks: Ich sage mal so, sag niemals nie. Ich bin noch für alles offen. Die WM 2021 wäre noch so ein Ziel, das ich gern erreichen würde, und im April beginnt die Qualifikation. Wir spielen gegen Israel und das wäre eigentlich Pflicht, gegen diesen Gegner zu bestehen. In der nächsten Runde im Juni kommt dann ein schwerer Gegner. Wenn es mit der Qualifikation klappen sollte, dann müsste ich schon bis zur WM gut trainieren und spielen, noch eine Saison vielleicht und dann könnte ich langsam ans Aufhören denken. Ich bin ja schon der älteste Spieler der Liga.

Oldies, gut goldies. Nächste Woche beim Spiel gegen die Löwen habt ihr ja ein Meeting, Alexander Petersson, der zweitälteste Spieler der Liga, und du?

Klešniks: Er ist mein Freund, er ist auch in Lettland geboren und wir haben bis zu den Junioren zusammengespielt. Sein Trainer hat ihm dann damals erlaubt, nach Island zu gehen. Da hat er sich sehr schnell zu einem guten Spieler entwickelt und Island hat ihm angeboten, die Nationalität zu wechseln. Das war super für ihn. Wenn du mit deinem Land international spielst, hast du als Spieler sofort einen besseren Namen und damit auch bessere Möglichkeiten, in gute Vereine zu kommen. Wenn du noch nirgendwo höher gespielt hast, ist es schwieriger, einen Verein zu finden. Ich freue mich schon auf das Spiel bei den Löwen.

Wenn du dich oder dein Lebensmotto mit drei Worten beschreiben solltest?

Klešniks: Mir gefällt dieser EM-Slogan. Dream, win, remember. Jeder Mensch sollte unterschiedliche Träume haben und wenn du die erfüllst, gewinnst du. Erfüllte Träume sind Siege, die dein Leben schöner machen.

Und dann kommt mit dem REWE Final4 im April noch ein Highlight?

Klešniks: Da war ich bisher erst einmal, in meiner letzten Saison mit Wetzlar, als ich dachte, ich würde mit Handball aufhören. Da haben wir leider ganz schlecht gespielt und gegen Hannover hoch verloren. Die Atmosphäre in Hamburg ist einfach super, so etwas kennst du als Spieler sonst gar nicht, wenn du nicht schon bei einer EM oder WM mitgespielt hast.

Bist du nervös vor Spielen?

Klešniks: Manchmal kribbelt es schon im Bauch.

Rituale vor dem Spiel?

Klešniks: Eigentlich nicht so sehr, außer vielleicht, dass ich zuerst das Schweißband, das kleinste Ausstattungsteil, anziehe, damit es nicht verloren geht.

Und im Privatleben, wer kocht bei euch zu Hause?

Klešniks: Ich koche gerne, gerne auch mit meiner Frau zusammen. Was es dann gibt, ist sehr unterschiedlich. Ich schaue mir zwei, drei Rezepte an und mische die dann ein bisschen oder ich schaue mal bei chefkoch.de rein. Es ist schön, wenn man beim Kochen und Essen Zeit mit der Familie verbringen kann, das finden wir schon wichtig.

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