Eine leise Verabschiedung

Am heutigen Donnerstag, den 14. Mai 2020, hätte der TBV Lemgo Lippe sein letztes Spiel in der Saison 19/20 gehabt, wenn, ja wenn alles regulär verlaufen wäre und ein Virus nicht die gesamte (Sport-) Welt durcheinandergebracht hätte. Berlin wäre das Ziel gewesen und der Ort, an dem TBV-Fans einige Spieler zum letzten Mal im blau-weißen Trikot in Aktion bzw. im Fall von Fabian van Olphen in der Nähe der Mannschaftsbank gesehen hätten.

Es ist mehr als traurig, dass wir diese Spieler nicht vor vollen Rängen persönlich verabschieden können, aber wir sind zuversichtlich, dass wir die Verabschiedungen in der kommenden Saison nachholen können, vor Publikum, mit viel Applaus und allem, was dazugehört.

Christoph Theuerkauf war am längsten von den fünf zu verabschiedenden Spielern in Lemgo. Er wird auch noch länger hierbleiben, bald seinen Schreibtisch in der TBV-Geschäftsstelle in Beschlag nehmen und den Ball weiterhin fliegen lassen, dann allerdings in der 3. Liga beim Team HandbALL.  Der „Magdeburger Jung“ ist in Lemgo heimisch geworden und fühlt sich mit Partnerin Jule und Sohn Pepe hier pudelwohl. Was fällt uns zu ‚Theuer‘ ein? Ganz viel! Er ist ein Motivator mit Haltung, ein Vollprofi, der niemals aufgibt und nicht weit davon entfernt war, die magische 500-Spiele-Marke in der Bundesliga zu knacken. Die Schallmauer von 1.000 Toren hat er jedenfalls schon längst durchbrochen. Der 35-jährige Publikumsliebling und Freund der klaren Worte blickt auf eine lange Karriere zurück und hat die Fans immer wieder mit spektakulären Toren von den Sitzen gerissen und zum Anfeuern animiert.

Christian Klimek war seit 2016 in Lemgo und kam vom OWL-Nachbarn TuS N-Lübbecke ins schöne Lipperland. Seine Heimat ist aber Ludwigshafen, dorthin wird er auch zurückkehren und zukünftig für die Eulen auf Punktejagd gehen. 113 Bundesliga-Spiele und 116 Tore weist die Bilanz der LIQUI MOLY HBL für ‚Klimo‘ aus, der nicht nur am Kreis, sondern auch im Abwehr-Mittelblock rackert und dort nichts lieber tut, als gegnerische Tore zu verhindern. In den vier Jahren in Lemgo hat sich auch privat einiges bei ‚Klimo‘ getan. Erst gab es mit Hündin Emma vierbeinigen Familienzuwachs, dann folgte die Traumhochzeit mit Traumfrau Kelly und im letzten Jahr wurde Stammhalter Finley geboren.  Immer ein offenes Ohr für die Fans, das schätzen TBV-Anhänger neben seine sportlichen Qualitäten besonders an dem privat eher ruhigen Kreisläufer, mit dem es in der kommenden Saison ein Wiedersehen auf dem Spielfeld geben wird.

Piotr Wyszomirski war ebenfalls seit 2016 in Lemgo und genau wie ‚Theuer‘ und ‚Klimo‘ ist auch er in dieser Zeit Vater geworden. Der polnische Nationaltorwart wirkt immer sehr ruhig und zurückhaltend, aber wer ihn auf dem Spielfeld erlebt hat, weiß, dass er auch mal richtig explodieren kann, besonders gern vor Freude bei Siegen oder nach spektakulären Paraden. Der 32-Jährige stand in 117 Spielen für den TBV im Tor und konnte sogar fünf Mal selbst einnetzen. Das Attribut „Vollprofi“ trifft auch bei ihm zu 100 % zu, neben seiner Familie mit Ehefrau Alexandra und Tochter Emilia spielt Handball ganz eindeutig die wichtigste Rolle in seinem Leben. „Er war bei so manchem Sieg unserer Mannschaft der entscheidende Faktor“, sagte TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike einmal über ihn. Zu Recht, denn ‚Wyszu‘ hat immer alles für den TBV gegeben und mit Peter Johannesson ein klasse Torwart-Gespann gebildet.

Fabian van Olphen kam 2017 nach Lemgo. Der Niederländer, der zuvor elf Jahre beim SC Magdeburg aktiv war, sollte die Abwehr verstärken und tat dies auch umgehend und in überzeugender Weise. Seine Rolle beim TBV war jedoch nicht nur auf die Abwehr beschränkt, auch im linken Rückraum spielte er seine Erfahrung aus. Schon jetzt legendär sind seine direkten Freiwürfe, von denen er einen in der letzten Saison kurz vor Spielende zum Siegtreffer gegen Wetzlar verwandeln konnte. 84 Bundesliga-Spiele, 117 Tore lautet seine TBV-Bilanz und er selbst hätte sicher nichts lieber getan, als diese Bilanz noch aufzustocken. Leider bremste ihn ein Kreuzbandriss während der EM-Vorbereitung mit der niederländischen Nationalmannschaft abrupt aus und zerstörte neben der erstmaligen Teilnahme an einer Europameisterschaft auch den Traum vom REWE Final4. „Einfach ein richtig guter Typ, fokussiert und ein echter Sportsmann und Leader“, nicht mehr, aber auch nicht weniger lässt sich über den zweifachen Familienvater ‚Tulpe‘ sagen.

Evars Klešniks wird wohl in die TBV-Geschichte als einziger ungeschlagener Spieler eingehen. Nach der Verletzung von Fabian van Olphen Anfang des Jahres vom Drittligisten LiT Tribe Germania nachverpflichtet, bestritt der Lette sieben Bundesligaspiele für den TBV und gab dabei nur beim Unentschieden in Mannheim einen Punkt ab. Seinen Freund Alexander Petersson (RNL) löste er als ältester Bundesligaspieler ab und feiert nächste Woche einen runden Geburtstag. „Eine Frechheit, wie fit er noch ist“, dieses Kompliment machte ihm Christoph Theuerkauf gleich nach den ersten Trainingseinheiten. Vom ersten Tag an fühlte ‚Ebbe‘ sich heimisch beim TBV und machte einen sehr guten Job in der Abwehr. „Das nächste Talent ausgebildet“, mit diesen Worten kommentierte LiT Tribe Germania auf Facebook seinen Wechsel nach Lemgo und wir können nur bestätigen, dass ‚Ebbe‘ sehr viel mehr ist als ein Talent. Genau wie alle anderen TBV-Spieler hätten wir ihn gern in ein paar mehr Spielen bis zum Saisonende auf der Platte gesehen.

Wir wünschen allen Spielern, die wir zukünftig nicht mehr im TBV-Trikot auf dem Spielfeld sehen werden, von ganzem Herzen alles Gute für ihre private und sportliche Zukunft und in diesen Zeiten natürlich vor allem Gesundheit. Gleichzeitig sagen wir ‚Danke‘ für ihren Einsatz, ihre Leidenschaft und ihre Leistungen, zunächst mit einem Verabschiedungsvideo, und freuen uns auf ein Wiedersehen.

 

 

 

 

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